Wegen Corona teils hohe Belastung für 2.600 Beschäftigte im Kreis Lüneburg

Lebensmittelbranche: Anerkennung für systemrelevante Jobs gefordert

Sie backen Brot, verarbeiten Gemüse, füllen Getränke ab: Die knapp 2.600 Menschen, die laut Arbeitsagentur im Landkreis Lüneburg in der Lebensmittelindustrie arbeiten, machen einen „systemrelevanten“ Job – nicht erst seit der Coronakrise. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hin. „Während in der Pandemie viele Branchen auf Kurzarbeit oder Homeoffice umgestellt haben, ist die Ernährungsbranche teils noch immer von Extra-Schichten und Überstunden geprägt“, sagt Steffen Lübbert von der NGG-Region Lüneburg.

Die Beschäftigten erwarteten nun eine Anerkennung für ihre Leistung. Dafür will sich die Gewerkschaft in den aktuell laufenden Tarifverhandlungen etwa in Niedersachsens obst- und gemüseverarbeitender Industrie sowie in der Stärke- und Brotindustrie starkmachen. Profitieren davon würden unter anderem Mitarbeiter beim Lebensmittelspezialisten Döhler in Dahlenburg. Darüber hinaus sind im Sommer die Entgelttarife für das Bäckerhandwerk neu zu verhandeln. 

„Nicht nur die Hamsterkäufe im März und April haben zu einer höheren Arbeitsbelastung in der Branche geführt. Wenn jetzt im Sommer die Gastronomie und der Inlandstourismus wieder Fahrt aufnehmen, könnte es auch zu vermehrten Bestellungen durch Großabnehmer kommen. Neben der Flasche Saft für Supermärkte läuft dann der 5-Liter-Eimer Majo für Restaurants vom Band“, erklärt Lübbert. Zwar habe es in einzelnen Bereichen der Lebensmittelwirtschaft auch Einbrüche gegeben, etwa bei der Versorgung von Caterern und Kantinen. Insgesamt habe sich die Branche aber „krisenfest“ gezeigt.

Corona dürfe nicht als Argument dafür herhalten, überfällige Lohnerhöhungen zu verhindern. „Wer durch seine tägliche Arbeit einen Beitrag dazu leistet, dass Essen und Trinken auch in der Krise nicht ausgehen, hat eine höhere Wertschätzung verdient“, so der Gewerkschafter.