4.670 Betriebe im Kreis Lüneburg – NGG: „Auch 1-Tages-Krankmeldung ernst nehmen“Appell an die Chef-Etagen im Kreis Lüneburg: „Bei Fieber fair bleiben“

25. Februar 2025

Wer krank ist, soll sich nicht zur Arbeit schleppen, rät die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Die NGG Lüneburg fordert die rund 4.670 Betriebe im Kreis Lüneburg zu mehr Verständnis bei Krankmeldungen auf. „Vor allem darf die Arbeit selbst nicht krank machen: Arbeitsdruck und Stress können einen schnell aus der Bahn werfen“, sagt Steffen Lübbert von der NGG.

Büro, Bäckerei, Bistro – oder doch das Bett: Wer krank ist, soll sich nicht zur Arbeit schleppen, rät die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Die NGG fordert quer durch alle Branchen die rund 4.670 Betriebe im Landkreis Lüneburg zu mehr Verständnis bei Krankmeldungen auf: „Zu oft und viel zu schnell werden Beschäftigte, die sich krankmelden, in die ‚Blaumacher-Schublade‘ gepackt“, kritisiert Steffen Lübbert, Geschäftsführer der NGG Lüneburg.
Arbeitgebern sei gerade die Krankschreibung per Telefon ein Dorn im Auge. Sie sehen in ihr einen Grund für viele Krankmeldungen, so die NGG Lüneburg. „Dabei zeigt eine aktuelle Studie der DAK, dass die neue Art der Krankschreibung so gut wie keinen Einfluss auf den Krankenstand hat. Ich sehe eher alternde Belegschaften und arbeitsbedingte Überforderung als Gründe für die vielen Krankmeldungen“ sagt Steffen Lübbert. Er appelliert deswegen an die Chef-Etagen im Kreis Lüneburg: „Bei Fieber fair bleiben.“
Alles andere könne schnell zum Bumerang für den eigenen Betrieb werden: „Wer sich lieber krank zur Arbeit schleppt, statt zum Arzt zu gehen und sich zu Hause auszukurieren, tut sich selbst keinen Gefallen damit“, so Lübbert. Außerdem bringe es auch nichts, andere am Arbeitsplatz mit Erkältung oder Grippe anzustecken.
„Wenn Beschäftigte allerdings Angst davor haben müssen, sich krank zu melden, dann stimmt etwas nicht. Denn Gesundheit am Arbeitsplatz ist kein ‚Nice-to-have-Faktor‘. Gesundbleiben ist ein Muss für den Job. Vor allem darf die Arbeit selbst nicht krank machen: Zu viele Überstunden, enormer Zeit- und Arbeitsdruck, Mobbing, Schikanen, psychischer Druck – das alles kann schnell auf die Gesundheit gehen“, warnt Lübbert.
Es sei wichtig, insbesondere auch auf Stress zu reagieren. Der entstehe oft schon durch fehlende Pausen und durch Arbeitszeiten, die – gerade bei Nacht- und Schichtarbeit – zur Belastung würden. „Aber auch schlecht ausgestattete Arbeitsplätze sind ein wichtiger Punkt: vom billigen Bürostuhl bis zum permanent schweren Heben“, sagt Steffen Lübbert. Um die Arbeit zu erleichtern, müssten Betriebe investieren. „Wer an Dingen spart, die den Job einfacher machen und die Gesundheit schonen, spart am falschen Ende“, ist der Geschäftsführer der NGG Lüneburg überzeugt. Kritisch seien auch unfaire Abläufe: „Es kann nicht sein, dass immer die Gleichen die Arbeiten machen müssen, die sonst keiner machen will“, sagt Lübbert.

Auch „Ein-Tages-Krankmeldungen“ sollten ernst genommen werden. „Von Migräne bis zu Menstruationsbeschwerden: Es gibt Tage, da geht es einfach nicht. Wichtig ist, dass es dafür Verständnis gibt – bei der Betriebsleitung genauso wie beim Rest der Belegschaft“, macht Steffen Lübbert deutlich. Hier spiele vor allem auch der Betriebsrat eine wichtige Rolle. Er vermittle bei Konflikten zwischen Chef-Etage und Beschäftigten – auch im Krankheitsfall.
Entscheidend sei, dass der Lohn vom ersten Krankheitstag an fortgezahlt werde. Darüber lässt Steffen Lübbert nicht mit sich reden: Diesen Punkt dürfe man bei Koalitionsverhandlungen gar nicht erst anrühren. „Die Fortzahlung wurde Mitte der 1990er hart erkämpft und in Tarifverträgen festgeschrieben. Wer da ran will, sollte sich auf was gefasst machen“, sagt Lübbert.