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Trotz „Schnitzel-Steuergeschenk“: Viele Wirte im Kreis Lüneburg knausern beim Lohn

16. März 2026
Jeder Schnitzelteller wirft mehr für den Wirt ab: Die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent macht’s möglich. „Trotzdem knausern viele Wirte beim Lohn: Sie bezahlen Köchen und Kellnerinnen nur den gesetzlichen Mindestlohn. Um den fairen Tariflohn machen sie aber einen weiten Bogen“, sagt Steffen Lübbert von der Gastro-Gewerkschaft NGG Lüneburg.

NGG Lüneburg: „Gastronomie gehört zu den ‚Rekord-Branchen der Tarifflucht‘“

Die rund 320 Gastro-Betriebe im Landkreis Lüneburg profitieren: Hotels, Restaurants und Gaststätten müssen seit Jahresbeginn deutlich weniger Mehrwertsteuer fürs Essen berechnen – nämlich nur noch 7 statt 19 Prozent. „Von jedem 10-Euro-Schein, den der Gast im Restaurant ausgibt, bleiben dadurch rund 95 Cent zusätzlich für den Gastronomen übrig. Das Geld landet zwar in der Kasse – aber nicht in der Lohntüte der Beschäftigten“, sagt Steffen Lübbert von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).


Auch der Gast merke von der Steuersenkung, die durch die Bundesregierung den Gastronomen gewährt wird, so gut wie nichts: „Wer mit dem großen Rutscheffekt der Preise auf den Speisekarten im Kreis Lüneburg gerechnet hat, ist mehr als blauäugig“, so Steffen Lübbert. Der Geschäftsführer der NGG Lüneburg wird deutlich: „Da hat die Bundesregierung die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn die allermeisten Gastronomen im Kreis Lüneburg behalten das Geld, das durch das Schnitzel-Steuergeschenk in der Kasse bleibt, für sich und beteiligen das Personal nicht an der verbesserten Einnahmesituation“, sagt Lübbert.


Und es sei eigentlich „alles noch viel schlimmer“: „Denn gleichzeitig bezahlen viele Gastronomen ihren Beschäftigten in der Küche und im Service nur den gesetzlichen Mindestlohn. Das ist umso unverständlicher, da die Entlastung der Betriebe auch dazu genutzt werden sollte, Beschäftigungsbedingungen zu verbessern. Und noch dreister wird es, wenn sich Gastwirte oder Restaurantbesitzer auch noch darüber beklagen, dass sie 1 Euro und 8 Cent beim Stundenlohn draufzahlen müssen, weil der gesetzliche Mindestlohn zum Jahresbeginn auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen ist“, sagt Steffen Lübbert.


Der Geschäftsführer der NGG Lüneburg warnt vor „unschönem Gastronomen-Framing“: „Wer seine Beschäftigten in der Küche oder im Service mit dem Mindestlohn abspeist, bezahlt keinen anständigen Lohn. Entscheidend und wirklich fair ist nur der Tariflohn“, so Lübbert. Der liege für eine erfahrene Profi-Köchin oder eine souveräne Servicekraft in ganz Niedersachsen bei immerhin 17,73 Euro pro Stunde. „Wenn der Entgelttarifvertrag jetzt zum Mai ausläuft und neue Verhandlungen anstehen, werden wir uns beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband dafür stark machen, dass ein gerechter Anteil der Steuersenkung auf der Entgeltabrechnung der Beschäftigten ankommt“, sagt der NGG-Geschäftsführer.

Doch ein Großteil der gastronomischen Betriebe im Landkreis Lüneburg betreibe „systematisch Tarifflucht“: „Viele Gastwirte, Restaurantchefs und Hoteliers im Kreis Lüneburg schlagen einen weiten Bogen um den Tariflohn. Und damit auch um Urlaubsregelungen sowie Zuschläge, zum Beispiel für Mehrarbeit“, so Steffen Lübbert. Die Gastronomie gehöre zu den „Rekord-Branchen der Tarifflucht“.


„Viele der Gastro-Beschäftigten kommen so beim Lohn zu kurz“, kritisiert Lübbert. Insgesamt arbeiten im Kreis Lüneburg nach Angaben der NGG rund 3.830 Beschäftigte in der Gastro-Branche – von der Köchin bis zum Barkeeper, vom Kellner bis zur Rezeptionistin. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur.
 

Wer im Kreis in der Gastronomie arbeitet, kann seinen Lohnzettel bei der NGG Lüneburg prüfen lassen und dabei auch mehr über den aktuellen Tariflohn erfahren: (04131) 421 46-0 | region.lueneburg@ngg.net.